Ein professioneller Musiker rief mich zum Stimmen seines neuen Klaviers der Marke Seiler aus Kitzingen. Das Klavier war vor 4 Wochen direkt aus der Fabrik geliefert worden. Schon bei der Ankunft war es ziemlich verstimmt. Da der Besitzer den Klaviertransport gut kannte, war er hin und her gerissen, ob der Transport für die Verstimmung verantwortlich sein könnte. Die schnelle Verstimmung war ihm ein Rätsel.

Als ich zum Stimmen kam, hatte ich vor allem in der Referenzoktave und Mittellage einige Probleme mit sich außergewöhnlich schnell wieder verstimmenden Einzeltönen. Dieses Phänomen ist mir von Klavieren des Herstellers Seiler bekannt. Fachleute führen es auf die Konstruktion des Resonanzbodens des Klavierbauers aus Unterfranken zurück. Auf diesen für Klavierkäufer problematischen Umstand habe ich bereits im Oktober 2011 mit meinem Blog zur Stimmbarkeit hingewiesen, den Sie unter

praeludio.de/stimmbarkeit.html

lesen können. Letztendlich bekam ich das Problem dieses Klaviers doch noch in den Griff, wie Sie unter

hearthis.at/praeludio/seiler-1...urkardroth-2014

hören können.

Was war nun die Ursache? Hat das Klavier einen Fehler? Oder war es doch der Transport? Nein, der Transport war es sicher nicht. Ob das Klavier einen Fehler hat, wird sich zeigen, wie es nun die Stimmung hält. In meinem bereits oben erwähnten Blog zum Thema Stimmbarkeit vom Oktober 2011

praeludio.de/stimmbarkeit.html

habe ich mir erlaubt, die Frage zu stellen, ob sich denn seit der Insolvenz von Seiler und der Übernahme durch den koreanischen Konzern Samick an dem Konzept des Resonanzbodens und somit an den Problemen der Stimmbarkeit nichts verändert hat? Diese Frage stellt sich nun bei diesem Klavier erneut. Meiner Ansicht nach war einfach die Fabrikstimmung schlecht, die ja vor dem Transport stattfand. Möglich ist, dass Seiler die Problematik mit der Stimmbarkeit seiner Pianos nicht wirklich im Griff hat. Da ich selbst 10 Jahre in einem Klavierlager fabrikneue Klaviere und Flügel unter industriellen Bedingungen gestimmt und kontrolliert habe, weiß ich um die Qualität, die eine solche Auslieferungsstimmung leisten kann. In diesem Fall wäre eindeutig eine bessere Grundstimmung möglich gewesen.

Das über 100 Jahre immer wieder verbreitete Gerücht, dass der Transport die Ursache für eine Verstimmung sei, ist schlicht falsch. Die wahren Gründe für die Verstimmung sind - abgesehen von einer intensiven Nutzung und somit Belastung der Saitenspannung über die Hammermechanik - konstruktionsbedingt (Stichwort Resonanzbodenwölbung), hängen von der Verwendung des natürlichen Materials Holz ab und stehen im Zusammenhang mit dem damit verbundenen Austausch der Feuchtigkeit zwischen der Luft und dem Holz. Dieser Austausch an Feuchtigkeit wiederum bewirkt im Klavier eine je nach der Wölbung des Resonanzbodens mehr oder weniger massive Veränderung der Zugkräfte der Saiten durch die Veränderung der Druckkräfte des Resonanzbodens über die Stege auf die Saiten. Diese Veränderung ist im Sinne der beim Klavier stimmen hergestellten Harmonie (= Ausgleich der Zugkräfte der Saiten und somit gleichzeitig der nun in der umgekehrten Richtung wirkenden Druckkräfte der Saiten auf den gewölbten Resonanzboden) eine Störung, die unsere Ohren schließlich als Ver-Stimmung wahrnehmen. Weitere Informationen zu den traditionellen konstruktiven Bedingungen in den Klavieren und Flügeln aufgrund der Wölbung des Resonanzbodens sowie der Veränderung der Zug- und Druckkräfte in Abhängigkeit von den klimatischen Veränderungen können Sie unter

praeludio.info/verstimmt.html

nachlesen sowie anhand von anschaulichen Bildern nachvollziehen. Wer zufällig das "Praktische Handbuch der Klavierkonstruktion" des bereits verstorbenen Konstrukteurs Klaus Fenner und Jan Großbach in seinem Bücherschrank stehen hat, der kann die Zusammenhänge dort auch noch einmal ab Seite 129 nachlesen. Dass es hinsichtlich der traditionellen Bauweise des gewölbten Resonanzbodens eine im Kreis der Mitglieder des Bundes Deutscher Klavierbauer schon früher diskutierte und 2014 erstmals realisierte konstruktive Veränderung gibt, ist in dem Zusammenhang ein wichtiger Hinweis. Der deutsch-lettische Klavierbauer Klavins (Bonn) hat das in mehrfacher Hinsicht gegenüber der herkömmlichen Bauweise neue Una-Corda-Piano konstruiert, das ich Ihnen in meinem Blog Pianomotions näher vorstelle:

praeludio.de/pianomotions.html#uc-piano

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