Die Pythagoreische Stimmung dominierte mit ihren reinen Quinten im Mittelalter. Damit Sie diese Stimmung auch einmal in der Anwendung, also in einem musikalischen Stück hören, finden Sie hier meine Version des C-Dur-Praeludiums von Johann Sebastian Bach

de.wikipedia.org/wiki/Johann_S..._Sebastian_Bach

aus dem Wohltemperieren Klavier

de.wikipedia.org/wiki/Wohltemp...riertes_Klavier

das übrigens eine Werbeaktion Bachs für die damals neuen Stimmungen war.

Wenn man sich die Intervalle eines Stimmsystems anhört, entdeckt man deutlichere Unterschiede dieser besonderen Stimmung. Hört man sich dagegen ein Lied an, so fallen einem nur bei größeren Abweichungen vom gewohnten Muster Unterschiede auf. Das hat bezogen auf die Zeit und vor allem aufgrund der bis zur Johann Sebastian Bachs verbreiteten geringen Dissonanz-Toleranz damit zu tun, dass man Intervalle nur sehr reduziert eingesetzt hat. Es wurden hauptsächliche Melodien, also eine Folge nacheinander gespielt Töne eingesetzt. Das Intervall verwandelt nämlich zwei Einteltöne zu einem neuen Tonmuster, in dem eher ein neues Klangbild als der Ton dominiert. Die Steigerung zum Intervall aus zwei nacheinander oder gleichzeitig gespielten Tönen ist der Akkord. Ein typischer Akkord ist der Dreiklang. Wenn man einen Dur-Dreiklang in seine Bestandteile aus einer großen und einer kleinen Terz auflöst, sich diese beiden Intervalle isoliert anhört, um dann zu beobachten, wie sich im Zusammenspiel des Dreiklangs ein völlig neues Klangbild ergibt, in dem man diese beiden Ursprungsintervalle nicht mehr finden kann, so versteht man möglicherweise, dass man früher derartige Komplexitäten zu vermeiden versucht hat. Die Pythagoreischen Dreiklänge können Sie übrigens unter

hearthis.at/praeludio/pythagor...che-dreiklaenge

hören.

Heute belächeln wir den früheren Umgang mit Komplextität. Und doch lohnt es sich bei der Gelegenheit, kurz innezuhalten, um sich bewusst zu machen, wie wir heute von immer höheren Komplexitäten kontinuierlich schier erschlagen werden. Es kommt zu einer Überforderung unserer Warhnehmung sowie vor allem der Verarbeitung all der vielschichtigen Informationen. Es ist mit der Wahrnehmung vergleichbar wie mit der Ernährung, dass sich aktuell zu schnell und zu viel ändert, als dass der Mensch einen Chance hätte, sich daran durch eine entsprechende Entwicklung anzupassen. Die kontinuierliche Überforderung führt zu Dauerstress, den man sich aber häufig nicht eingesteht. Stress ist aber die häufigste Ursache für all unsere modernen Krankheiten, die es zum Großteil auch nur in den westlichen Industriegesellschaften gibt. Wer ständig die Entwicklung forciert, ist darüber hinaus politisch höchst aktiv. Denn immer mehr Menschen flüchten sich in Verweigerungsstrategien. Sie verweigern sich aktuellen Entwicklungen, um sich der Überforderung zu entziehen. Das ist aber der Boden für jene Kräfte, um Entwicklungen in Gang setzen zu können, die somit von der Masse gar nicht mehr registriert wird. Wenn uns derartige gesellschaftliche Veränderungen bewusst werden, ist es aber zu spät, um darauf regulierend Einfluss nehmen zu können.

Weitere Informationen zu diesem Hörbeispiel finden Sie auf meiner Homepage unter

praeludio.info/stimmungen.html#pythsti

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