Das Klavier der Marke Hohner wurde gebraucht gekauft. Nach dem Transport soll es nun am neuen Standort frisch gestimmt werden. Eigentlich machte das Instrument keinen schlechten Eindruck und war auch nicht so schlimm verstimmt. Aber ausgerechnet in der meist gespielten Mittellage blieben öfters einzelne Töne hängen. Daher machte sich die Klavierbesitzerin auf die Suche nach Antworten auf ihre Fragen: Wie aufwendig ist so eine Lösung des technischen Problems? Und wie teuer wird es werden? Kann man auch gleich das Klavier stimmen? Sie fand die Klavierstimmerei Praeludio und hier auch die richtigen Antworten.

Meine Nebenbei-Analyse beim Probespiel ergab, dass die Spielart tatsächlich zäh und unangenehm war. Ferner stellte ich fest, dass das rechte Tonhalte-Pedal nicht vollständig von den Saiten abhebt, was einen dazu nötigt, das Pedal immer bis in den Boden zu treten, was einem dann zu einer schlechten Gewohnheit wird. Wenn man unter dem Spieltisch die Pedale neu einstellt, fällt einem das übliche Bild der Klavierpedale auf, das einem verrät, dass nur ein Pedal, eben das rechte Tonhalte-Pedal benutzt wird. Das mittlere Pedal für den Moderator, der das dauerhafte Leisespiel ermöglichen soll, muss man ja nur ein- und ausschalten. Daher ist hier die geringere Nutzung verständlich. Aber warum nimmt niemand das linke Pedal? Weil man bei den Klavieren meist keinen deutlich erkennbaren Unterschied hört, wenn man das linke Pedal tritt. Es soll nämlich die Lautstärke reduzieren, ist also ein Leisepedal, das jedoch aufgrund der Konstruktion (Verkürzung des Hammerwegs) seit über 100 Jahren nicht genutzt wird, was einem die Pedale der aufrecht stehenden Klaviere seit eben 100 Jahren verraten würden, wenn man darauf achten würde, da man vielleicht daran interessiert ist, was seitens der Klavierhersteller tatsächlich schon lange nicht mehr der Fall zu sein scheint. Im Flügel hat das linke Pedal hingegen einen vornehmen Namen: Una-Corda-Pedal. Hier wird nämlich mittels einer anderen Technik das gesamte Spielwerk sowie die Tasten seitlich verschoben, so dass bis auf die unterste Oktave im Bass jeweils eine Saite (una corda) weniger angeschlagen wird. Das ist die bessere Leisetechnik, die Marken wie Steingraeber noch bis circa 1911 auch in Klavieren eingebaut haben. Nur zwei Klaviermarken, nämlich Fazioli (Italien) sowie die bereits erwähnte Marke Steingraeber aus Bayreuth bauen einen Flügel, der beide Möglichkeiten enthält, nämlich sowohl die seitliche Verschiebung der Mechanik als auch die Verkürzung des Hammerwegs. Das Pedal mit der Verkürzung des Hammerwegs im Flügel dient dazu, die eigentlich eh schon recht gute Spielart im Flügel noch einmal ein Stück weit zu optimieren sowie eben das Leisespiel bzw. das differenzierte Spiel auf den Tasten des Pianos zu verfeinern. Tatsächlich ist es aber so, dass das Leisespiel und somit die Möglichkeit zur Differenzierung auf den meisten so genannten Pianos (kommt ursprünglich vom lateinischen piano = leise!) verloren gegangen ist. Die Hersteller differenzieren nicht mehr, versuchen schon lange nicht mehr, echten Mehrwert zu generieren. Das ist einer der wesentlichen Gründe für den Niedergang des Klavierbaus.

Die Lösung des Problems der zähen Spielart war dann nicht ganz so trivial. Denn es stellte sich heraus, dass die Tasten im Instrument falsch ausgewogen waren. Dadurch fallen die Tasten nach dem Anschlagen zu langsam zurück. Das heißt, die Technik am Ende der Taste, die Klaviermechanik, ist noch nicht wieder vollständig in die Ausgangsstellung zurückgekehrt. Daher kommt es beim unmittelbar folgenden Anschlagen der Taste zu Aussetzern. Es ist kein Ton zu hören. Die technischen Details habe ich mit Einzelbildern umfassend auf meiner Seite über die Spielart im Piano erläutert. Was kann man vor Ort tun? Man kann die Gewichte innerhalb der Taste verändern. Ferner kann man die Reibung innerhalb der Taste verringern. Und schließlich kann man die Mechanik so regulieren, dass das Überwinden der Widerstände innerhalb des Ablaufs der Klaviermechanik leichter fällt. Das Ergebnis ist keine Garantie. Man muss es probieren, Schritt für Schritt vorgehen, und immer wieder mit den noch nicht bearbeiteten Bereichen der Klaviatur vergleichen. Doch bei den ersten Vergleichen war sowohl die Klavierspielerin als auch ich regelrecht verzückt. Auf einer so eingestellten Mechanik und Klaviatur macht das Klavier spielen pure Freude!

Nach den Reparatur- und Regulierungsarbeiten wurde das Klavier von 432 auf 440 Hertz gestimmt, da die Klavierspielerin Selbstspielerin ist, die Tutorials aus dem Internet nutzt, die auf 440 Hertz eingespielt worden sind. Vergleichen Sie mit der Endstimmung, dann stellen Sie fest, dass mich die anfangs schlecht eingestellte Mechanik dahingehend motiviert hat, mein Probespiel schnell abzuwickeln. Am Ende dagegen hatte ich richtig Lust auf ein gefühlvolle, ausdruckstarke Interpretation meiner Version des C-Dur Praeludiums von Johann Sebastian Bach.

Ist auch Ihr Klavier oder Flügel verstimmt? Dann finden Sie hier die Leistungen und Festpreise der überregionalen Klavierstimmerei Praeludio für Schwabach.

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