Museen gelten für viele Menschen bis heute zuweilen als Orte, an denen die Zeit still zu stehen scheint. Sie erscheinen rein, sauber und zeitlos. 2022 erscheint jedoch unter dem provokanten Titel »Museale Reste« ein Buch der zwei Herausgeber:innen Nina Samuel und Felix Sattler, welches sich auf Spurensuche nach Übriggebliebenem, Überbleibseln, Übersehenem, Vernachlässigtem in Museen machte. Sie widmen sich darin einer begrifflichen Kategorie, die man am wenigsten in Museen erwartet. Doch sind Reste im Museum überall anzutreffen: im Ausstellungsraum, im Depot, in der Verwaltung. Reste weisen im Museum unterschiedliche Erscheinungsformen auf: als Staub, Mikroorganismen, fehlende Bestandteile eines Kunstwerks u.a.m. Dem Wortsinn nach sind Reste Teile eines großen Ganzen, zu dem sie ursprünglich gehören, aber von jenen abgespalten werden. Die besondere Situation in Museen, welche durch die Prämisse des Erhaltens Prozesse von Zeitlichkeit und Veränderung auszusetzen oder aufzuhalten sucht, steht im Konflikt mit Resten. Reste sind dynamisch, sie stoßen (auch gedankliche) Bewegungen an, von bestehenden Ordnungen zur Unordnung, vom Objekt zum Material, zum Über-Rest. Die Sendung mit den beiden Herausgeber:innen Nina Samuel und Felix Sattler widmen sich einer im Museum meist unterschätzten Kategorie und stellen sie mit ihrem Wert für die Diskussion von Museen und ihren Praktiken auf den Prüfstand.

Zu den Mitwirkenden:

Nina Samuel ist promovierte Kunst- und Bildwissenschaftlerin, Kuratorin, Wissenschaftsmanagerin und Wissenschaftskommunikatorin. Zu ihren Stationen gehörte u.a. das Bard Graduate Center in NYC, eikones in Basel, das Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte in Berlin und die Leuphana Universität Lüneburg. Sie kuratierte eine Vielzahl von Ausstellungen, drunter »Die Inseln von Benoît Mandelbrot«, »My Brain Is in My Inkstand: Zeichnen als Denken und Prozess«, »Stretching Materialities«. Aktuell ist sie Leiterin der Abteilung »Fostering Knowledge Exchange« an der Berlin University Alliance, dem Verbund aus FU, HU, TU, Charité in Berlin. Ausserdem ist sie assoziiertes Mitglied am Exzellenzcluster »Matters of Activity« der Humboldt-Universität zu Berlin. 
matters-of-activity.de/en
berlin-university-alliance.de

Seit über zwanzig Jahren widmet sich Felix Sattler der Praxis und Forschung zu Museen, materiellen Kulturen und ästhetischer Wissensgeschichte. Seine Methode des transversalen Kuratierens schafft dynamische Beziehungsgeflechte zwischen AkteurInnen und Wissen aus verschiedenen Disziplinen und Gemeinschaften. Seit 2013 leitet er das TA T – Tieranatomisches Theater an der Humboldt-Universität zu Berlin, Labor für ästhetische Wissenspraktiken. Dort sind seitdem mehr als 40 internationale Ausstellungen, Performances und öffentliche Programme präsentiert worden. Themen seiner Projekte umfassen unter anderem »Open Source to Open Art« (2002), Kunst- und Designgeschichte einzelliger Algen (»Diatomeen – Formensinn«, 2009), »Repliken Wissen« (2017), postkoloniale Kontroversen um Museen und menschliche Überreste (»The Dead, as far as […] can remember«, 2018),  transdisziplinäre Perspektiven auf Westafrikanische Wildseide (»Daoula« 2022).
tieranatomisches-theater.de

Publikation: Nina Samuel, Felix Sattler (Hg.): Museale Reste, De Gruyter: 2022
Zum Download: degruyterbrill.com/document/do...72/html?lang=de



    Radioshow, Betriebsgelände, Nina Samuel, Felix Sattler, Museale Reste
    • 95 bpm
    • Key: Dm
    • Woltersdorf, Deutschland