Diese Episode bietet eine sachliche historische Rückschau auf die Ausgabe Nr. 9 der Fachzeitschrift PASSWORD aus dem September 1991. Die Sendung dokumentiert die infrastrukturellen, ökonomischen und gesellschaftlichen Herausforderungen beim Aufbau der frühen Informationsgesellschaft in Deutschland kurz nach der Wiedervereinigung.

Zentrale Themenschwerpunkte der Episode:

Ökonomie und Barrieren des frühen Online-Marktes: Deutsche Datenbankanbieter standen im Herbst 1991 vor dem Problem hoher Anlaufverluste und einer im Vergleich zu den USA oder Großbritannien stark verzögerten Profitabilität. Das Information Retrieval war durch komplizierte Kommandozeilenbefehle, die Einwahl in Großrechner und die notwendige Kenntnis Boole’scher Operatoren stark erschwert, was den wirtschaftlichen Durchbruch bei klassischen Geschäftskunden massiv ausbremste.
Die Expansionsstrategie von CompuServe: Als Kontrast zu den unprofitablen nationalen Datenbanken trieb CompuServe über ein Büro in München eine aggressive Expansion voran. Mit Verbindungsgeschwindigkeiten von 9600 Baud, zeitbasierten Minutentarifen und der Einführung des grafikbasierten „Information Managers“ zielte das Unternehmen auf den PC-Endnutzer ab, um die Grenze zwischen professionellen Informationsvermittlern und reinen Konsumenten aufzubrechen.
Die Ursprünge von Big Data im Umweltmonitoring: Bereits ab 1985 bündelte das Global Environment Monitoring System (GEMS) der Vereinten Nationen Umweltdaten aus 142 Ländern. Unter Einbezug von NASA-Satellitendaten sowie WHO- und UNESCO-Erhebungen lieferte das System den Nachweis über die Schädigung der Ozonschicht und die Abholzung des Regenwaldes. Technisch mussten diese Datensätze, die oft per Post auf Magnetbändern oder Disketten verschickt wurden, mühsam auf Großrechnern normalisiert werden. Auf nationaler Ebene betrieb das deutsche Umweltbundesamt ein automatisiertes Smog-Frühwarnsystem über nächtliche Stapelverarbeitung (Batch Processing), um Messdaten per Telefonleitung zu übertragen. Zudem stand die Integration veralteter DDR-Umweltdatenbanken in die bundesweite Datenbank „Limba“ an.
Die Informationskluft und Rechtskrise in den neuen Bundesländern: Nach der Wiedervereinigung kam es zu einer massiven Informationskluft in Ostdeutschland. Zwar wurde das westdeutsche Rechtssystem eingeführt, doch ostdeutschen Juristen fehlte es an Computern und der nötigen Telekommunikationsinfrastruktur wie Anschlüssen an das paketvermittelte Datex-P-Netz. Da Online-Abfragen erschwert waren, bildete die CD-ROM eine Alternative, die jedoch mit Anschaffungskosten von 4.000 DM (zuzüglich 2.000 DM für jährliche Updates) für ostdeutsche Kanzleien kaum bezahlbar war. Dies gefährdete die prozessuale Waffengleichheit vor Gericht, da westdeutsche Kanzleien präzise digitale Suchen durchführen konnten, während ostdeutsche Anwälte lückenhafte gedruckte Registerbände manuell durchsuchen mussten. Gleichzeitig stagnierte das Online-Geschäft der Datenbank Juris aufgrund einer umstrittenen Preisreform, die auf zeitbasierte Tarife umstellte.
Kritik an der „papierlosen Bibliothek“ und der soziale Digital Divide: Der Wissenschaftler Dr. Bernd Wingert (Kernforschungszentrum Karlsruhe) äußerte nach einer USA-Studienreise starke Skepsis gegenüber der digitalen Archivierung. Er verwies auf physikalische Risiken optischer Massenspeicher wie CD-ROMs durch Oxidation („CD-Rotting“) und sah säurefreies Papier als überlegenes Langzeitmedium an. Darüber hinaus warnte er vor der Entstehung einer „Informationsaristokratie“: Wenn staatliche Informationen nur noch digital über teure Zeittarife und Hardware abrufbar seien, würden einkommensschwächere Bürger von der demokratischen Teilhabe ausgeschlossen.
Hardware-Entwicklungen im Praxistest: Als zeitgenössisches Beispiel für den Versuch der Industrie, digitale Inhalte in physische Konsumgüter zu pressen, wird die Vorstellung des Sony Data Discman auf der Berliner Funkausstellung thematisiert. Das klobige, teure Gerät spielte Mini-CD-ROMs mit Lexika ab, bot jedoch aufgrund des winzigen LCD-Bildschirms nur geringen Lesekomfort.



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