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Am 1. September 1939 brach der Zweite Weltkrieg aus. Rumänien agierte zunächst als Verbündeter Deutschlands, war aber 1940 gezwungen sich Russland anzuschließen. Dies hatte selbstverständlich Folgen für die Deutschen, die auf rumänischem Gebiet angesiedelt waren. Für die Familien und Zivilisten, viel schwerwiegender aber für die im Dienst gestandenen Soldaten und ehemaligen Militärs, je nachdem wo sie sich zu dem Zeitpunkt befanden. Das erneute Anrücken und die Stationierung der russischen Truppen 1940 bei Temeschburg (auch Temeswar oder rumänisch: Timișoara) sorgte bei meinen Urgroßeltern für Panik, die Angst und die Erinnerungen vom Ersten Weltkrieg waren noch allzu präsent. Außerdem hatte man gehört, was an anderen Orten bereits passiert ist. Bei allen leidvollen Ereignissen ist diese Geschichte hier dennoch schon wieder amüsant, weil die Eltern meiner Urgroßmutter aus Panik vor einer Plünderung durch russische Soldaten oder Vandalismusaktionen ihre eigenen Weinvorräte umsonst demolierten und in den „Hotach“ (=Acker) laufen haben lassen. Am Ende kam gar niemand…

Der zweite Abschnitt, der leider nichts mehr Witziges beinhaltet, verdeutlicht aber umso mehr die Angst, die die Menschen in der damalig vorherrschenden Situation gehabt haben mussten. Mein Ur-Ur-Ur-Großvater hatte sich nach dem Eintreffen der Russen auf dem Dachboden erhängt. Die aufkeimenden Erinnerungen an vergangene traumatische Erlebnisse im Ersten Weltkrieg führten zu durchgehender Panik vor einer erneuten Gefangenschaft. Er konnte nicht mehr anders und nahm sich in dieser Zeit das Leben. Gerade diese Erzählung ist eine wichtige und zeigt, dass die Menschen einfach Menschen sind. Wenn der Mensch zum anderen Menschen zu grausam wird, dann ist es irgendwann einfach zu viel. Ebenso viele unzählige ähnliche Schicksale haben sich auch in Russland und in Deutschland oder den vielen anderen mitinvolvierten Kriegsländern vollzogen. Ich empfinde es als unglaublich wichtig, diese vergangenen Geschehnisse und Abläufe verstehen zu können. Wir alle sollten dies Dinge verstehen. Wir sollten wissen, was passiert, wenn es eskaliert. Was es aus den Menschen macht und wieso es überhaupt dazu kommt. Und was man tun könnte, dass es eben nicht mehr passiert. Wie man nicht nur beobachten, sondern auch selbst eingreifen und beinflussen kann. All solche Dinge kann man lernen, wenn man zuhört. Ich hab meiner Urgroßmutter zugehört. Wenn ich nicht ohnehin schon die Energie für meine Motivation, meine Ideen und den eigenartigen Blick auf die Menschheit von ihr geerbt habe, dann hat sie diese zumindest entfacht und angeschürt. Wie kann ein Mensch mit 91 Jahren noch so viel geistige Energie, Klarheit, eigenen Wissensdurst und offenes Aufnahmevermögen besitzen? Sie ist und bleibt für mich ein Phänomen, aber natürlich in erster Linie ein großes Vorbild.

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