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by verlustfrei

Zum Auflegen kam ich über Umwegen auf dem Jakobsweg, im Sommer 2012. Die Bilder und Videos habe ich für eine DVD mit den Stücken untermalt, die mich auf meiner Reise begleiteten. So entstand mein erster Ableton Mix. Mir war bis dato nicht bewusst, welches Potenzial hinter diesem Programm steckte. In den Jahren zuvor produzierte ich erfolglos eigene Stücke. Nächte schlug ich mir um die Ohren, stundenlang derselbe Beat. Erste Livesets entstanden. Meinen Ansprüchen wurden sie aber nie gerecht. Was ich gerne höre ist selten. Der eine Beat eben, wo jeder Ton seinen Platz hat. Kristallklar und treibend.

Die elektronische Musik war schon immer ein fester Bestandteil meines Lebens. In den 80ern, beeinflusst durch meinen Daddy und seiner Liebe zu Revox & Technics. Die neue deutsche Welle lief rauf und runter. Mir gefiel der Sound der Synthesizer. Pink Floyd war akustisch stets zu Gast. Als Culture Beat, Snap und U96 auf der Bildfläche erschienen, wurde ich endgültig von meiner heutigen Musikrichtung geprägt. Enigma -Sadness. Ganz neue Töne. Ich denke gerade an die Zeit zurück, wie ich mit meinem Doppelkassettendeck Mixtapes aufzeichnete. Der Hessentag'95 mit Mark Spoon und Sven Väth kommt mir dabei in den Sinn. Oder die jährliche Liveübertragung der Energy im Schweizer Radio. Schon damals gab es so unfassbar geile Sets und Stücke. In der Berufsschule dealten wir mit Tapes der vergangenen Wochenenden. Sender wie Evosonic, Radio One und Sputnik sendeten inzwischen regelmäßig Techno. Für mich gab es keine andere Form hörbarer Musik.

Mit den ersten CD Compilations wie Trancemaster und Rave Mission begann ich Ende der 90er schließlich mit dem Auflegen. Auf 99 Pfennig Parties. Eine lustige Zeit. Ich entschied mich aber für das Feiern. Für das Zuhören. Für den Rave.

Die Millennium Energy war legendär. Mit zwei Millionen Menschen die Loveparade in Berlin zu rocken, unvergesslich. Mayday und SMS, einfach Wahnsinn. In den Jahren um 2000 ging es richtig heftig zur Sache. Ich habe so gut wie nichts ausgelassen. Schranz! Ich vermisse etwas die guten alten Zeiten, wie sich Sonntagmorgens auf der Nature One bei DJ Dag die Seele aus dem Leibe zu tanzen.

Dank Internet und Flatrate hörte ich mittlerweile nur noch Frisky Radio über iTunes. Eine völlig neue Ära. Über eDonkey gab es Sound zum Downloaden. Es brauchte schlichtweg nichts anderes mehr, um mein Verlangen nach guter Musik zu befriedigen. Das erste "Involver" Album von Sasha war damals ausschlaggebend für meinen heutigen Stil. Digitale Reinheit stand von nun an im Vordergrund. Für mich ist diese Musik zur Lebenseinstellung geworden. Je älter ich wurde, desto intensiver. So habe ich manchmal das Gefühl. Was mich dabei ganz besonders glücklich macht, dass Techno mit mir zusammen erwachsen geworden ist.

Ich kann mir keine bessere Zeit vorstellen, wie diese Tage. Nur die Feierei habe ich in den letzten Jahren etwas reduzieren müssen. Berufsbedingt. Oder altersbedingt. Auch meine Einstellung zur Szene ist nicht mehr dieselbe. Das "Miteinander" fehlt mir ein wenig. Manche DJs tun mir leid, weil sie ausnahmslos in "Gesichter" blicken müssen. Wo alle kauen, ohne zu essen. Eine neue Generation halt. Von mir aus darf es auch gerne so bleiben. Denn mittlerweile habe ich mehr Freude daran, die Wochenenden in meinem Studio zu verbringen, wo auch der Sound besser ist, als sonst wo. Freunde kommen regelmäßig vorbei zu gemeinsamen Jamsessions. Wir sind dann wie große Spielkinder. Tracks werden wie Briefmarken getauscht. Ein großartiges Hobby und eine Leidenschaft die ihresgleichen sucht.

2014 begann ich damit, meine Mixtapes bei "Hearthis" anzubieten. Als Pseudonym für meine Seite wählte ich "verlustfrei" - die Erklärung ist einfach: Ich verwende zu 99% das verlustfreie AIFF Format bei der Wahl meiner Stücke. Da bin ich ziemlich kompromisslos, gleich wie meine Lautsprecher. Der Klang ist herausragend. Generell lege ich hohen Wert auf gutes Equipment. Neben Ableton Live in Verbindung mit dem Akai APC40, arbeite ich inzwischen ausschließlich mit Traktor. Zum Mixen nehme ich den xone:DB4 von Allen & Heath aufgrund seiner fantastischen Soundkarte. Angesteuert wird der ganze Spaß mit einem S2 Controller. Gespielt wird ohne Sync, weil's schlichtweg besser und echter klingt. Ich finde die ständigen Diskussionen ohnehin albern, ob mit oder ohne Sync Button aufgelegt wird. Ohne ist nicht schwerer als mit. Ich bevorzuge lediglich das Spielen im Vinyl Mode. Ich brauch den Einfluss auf die Phasenverschiebung bei meinen Übergängen. Erfahrungen mit CDJ's waren ernüchternd. Die Loopfunktion entspricht nicht meinen Vorstellungen, bleibe aber gespannt, was da noch kommt.

Generell bin ich derzeit sehr gespannt, wie sich meine Geschichte entwickelt. Einen Schritt in Richtung Öffentlichkeit wagte ich bislang nicht. Ich war ganz zufrieden mit gelegentlichen Afterhour Gigs in privaten Wohnzimmern. Auf Kreta spielte ich ein acht Stunden Set am Pool einer Luxus Finca. Dort habe ich sprichwörtlich Blut geleckt. Im kleinen Kreis für echte Musikliebhaber zu spielen, das ist mein Fokus. Mehr möchte ich mir momentan gar nicht zumuten.

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Zum Auflegen kam ich über Umwegen auf dem Jakobsweg, im Sommer 2012. Die Bilder und Videos habe ich für eine DVD mit den Stücken untermalt, die mich auf meiner Reise begleiteten. So entstand mein erster Ableton Mix. Mir war bis dato nicht bewusst, welches Potenzial hinter diesem Programm steckte. In den Jahren zuvor produzierte ich erfolglos eigene Stücke. Nächte schlug ich mir um die Ohren, stundenlang derselbe Beat. Erste Livesets entstanden. Meinen Ansprüchen wurden sie aber nie gerecht. Was ich gerne höre ist selten. Der eine Beat eben, wo jeder Ton seinen Platz hat. Kristallklar und treibend.

Die elektronische Musik war schon immer ein fester Bestandteil meines Lebens. In den 80ern, beeinflusst durch meinen Daddy und seiner Liebe zu Revox & Technics. Die neue deutsche Welle lief rauf und runter. Mir gefiel der Sound der Synthesizer. Pink Floyd war akustisch stets zu Gast. Als Culture Beat, Snap und U96 auf der Bildfläche erschienen, wurde ich endgültig von meiner heutigen Musikrichtung geprägt. Enigma -Sadness. Ganz neue Töne. Ich denke gerade an die Zeit zurück, wie ich mit meinem Doppelkassettendeck Mixtapes aufzeichnete. Der Hessentag'95 mit Mark Spoon und Sven Väth kommt mir dabei in den Sinn. Oder die jährliche Liveübertragung der Energy im Schweizer Radio. Schon damals gab es so unfassbar geile Sets und Stücke. In der Berufsschule dealten wir mit Tapes der vergangenen Wochenenden. Sender wie Evosonic, Radio One und Sputnik sendeten inzwischen regelmäßig Techno. Für mich gab es keine andere Form hörbarer Musik.

Mit den ersten CD Compilations wie Trancemaster und Rave Mission begann ich Ende der 90er schließlich mit dem Auflegen. Auf 99 Pfennig Parties. Eine lustige Zeit. Ich entschied mich aber für das Feiern. Für das Zuhören. Für den Rave.

Die Millennium Energy war legendär. Mit zwei Millionen Menschen die Loveparade in Berlin zu rocken, unvergesslich. Mayday und SMS, einfach Wahnsinn. In den Jahren um 2000 ging es richtig heftig zur Sache. Ich habe so gut wie nichts ausgelassen. Schranz! Ich vermisse etwas die guten alten Zeiten, wie sich Sonntagmorgens auf der Nature One bei DJ Dag die Seele aus dem Leibe zu tanzen.

Dank Internet und Flatrate hörte ich mittlerweile nur noch Frisky Radio über iTunes. Eine völlig neue Ära. Über eDonkey gab es Sound zum Downloaden. Es brauchte schlichtweg nichts anderes mehr, um mein Verlangen nach guter Musik zu befriedigen. Das erste "Involver" Album von Sasha war damals ausschlaggebend für meinen heutigen Stil. Digitale Reinheit stand von nun an im Vordergrund. Für mich ist diese Musik zur Lebenseinstellung geworden. Je älter ich wurde, desto intensiver. So habe ich manchmal das Gefühl. Was mich dabei ganz besonders glücklich macht, dass Techno mit mir zusammen erwachsen geworden ist.

Ich kann mir keine bessere Zeit vorstellen, wie diese Tage. Nur die Feierei habe ich in den letzten Jahren etwas reduzieren müssen. Berufsbedingt. Oder altersbedingt. Auch meine Einstellung zur Szene ist nicht mehr dieselbe. Das "Miteinander" fehlt mir ein wenig. Manche DJs tun mir leid, weil sie ausnahmslos in "Gesichter" blicken müssen. Wo alle kauen, ohne zu essen. Eine neue Generation halt. Von mir aus darf es auch gerne so bleiben. Denn mittlerweile habe ich mehr Freude daran, die Wochenenden in meinem Studio zu verbringen, wo auch der Sound besser ist, als sonst wo. Freunde kommen regelmäßig vorbei zu gemeinsamen Jamsessions. Wir sind dann wie große Spielkinder. Tracks werden wie Briefmarken getauscht. Ein großartiges Hobby und eine Leidenschaft die ihresgleichen sucht.

2014 begann ich damit, meine Mixtapes bei "Hearthis" anzubieten. Als Pseudonym für meine Seite wählte ich "verlustfrei" - die Erklärung ist einfach: Ich verwende zu 99% das verlustfreie AIFF Format bei der Wahl meiner Stücke. Da bin ich ziemlich kompromisslos, gleich wie meine Lautsprecher. Der Klang ist herausragend. Generell lege ich hohen Wert auf gutes Equipment. Neben Ableton Live in Verbindung mit dem Akai APC40, arbeite ich inzwischen ausschließlich mit Traktor. Zum Mixen nehme ich den xone:DB4 von Allen & Heath aufgrund seiner fantastischen Soundkarte. Angesteuert wird der ganze Spaß mit einem S2 Controller. Gespielt wird ohne Sync, weil's schlichtweg besser und echter klingt. Ich finde die ständigen Diskussionen ohnehin albern, ob mit oder ohne Sync Button aufgelegt wird. Ohne ist nicht schwerer als mit. Ich bevorzuge lediglich das Spielen im Vinyl Mode. Ich brauch den Einfluss auf die Phasenverschiebung bei meinen Übergängen. Erfahrungen mit CDJ's waren ernüchternd. Die Loopfunktion entspricht nicht meinen Vorstellungen, bleibe aber gespannt, was da noch kommt.

Generell bin ich derzeit sehr gespannt, wie sich meine Geschichte entwickelt. Einen Schritt in Richtung Öffentlichkeit wagte ich bislang nicht. Ich war ganz zufrieden mit gelegentlichen Afterhour Gigs in privaten Wohnzimmern. Auf Kreta spielte ich ein acht Stunden Set am Pool einer Luxus Finca. Dort habe ich sprichwörtlich Blut geleckt. Im kleinen Kreis für echte Musikliebhaber zu spielen, das ist mein Fokus. Mehr möchte ich mir momentan gar nicht zumuten.

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