Ein Aufkleber verrät die Herkunft unseres Klaviers: Es stammt aus Eisenberg, als Eisenberg noch in der DDR war. Das war eine Zeit, in der die Klavierbauer im Osten lernen mussten, unter suboptimalen Bedingungen möglichst gute Ergebnisse zu erzielen.

Der Ersteindruck unseres Pianos zog einen als Zuhörer ebenso wie als Klavierspieler emotional nach unten. Ein wunderbares Hörbeispiel für eine traurige Stimmung, die nämlich in der Tonhöhe stark abfallend ist. Musik hat ja bekanntlich eine Wirkung. Doch wenn die Grundstimmung der Musik einen traurigen, da tonlich engen Charakter hat, dann baut einen selbst fröhliche Musik nicht mehr auf. Die Stimmung ist somit der erste Schlüssel, den wir berücksichtigen müssen, wenn es darum geht, positive Ergebnisse zu erzielen - und das gilt übergreifend für alle Lebensbereiche!

Das Klavier wurde etwas höher als ursprünglich gestimmt, aber nicht auf 440 Hertz, sondern auf den besseren Kammerton, der 432 Hertz beträgt. Als nämlich 1939, am Anfang des Zweiten Weltkriegs, auf einer internationalen Konferenz über Industrienormen in London auch über den Kammerton gesprochen wurde, meldeten sich einflussreiche Musiker zu Wort. Sie schlugen 430 (Verdis A) oder 432 Hertz mit der Begründung vor, dass wir Menschen uns bei dieser Tonhöhe weitaus besser harmonisieren können, als bei einem höheren Kammerton, der zu einer höheren Anspannung führt. 1939 war der Mensch und die Wirkung der Musik auf den Menschen kein offen verhandelbares Thema. Noch einmal zur Erinnerung, es war zu Beginn des Zweiten Weltkriegs, als die Nationalsozialisten Deutschlands im Herzen Europas eine grausame Diktatur installiert hatten, die Judenverfolgung und -vernichtung organisiert wurde, und nun begannen die Nazis damit, andere Länder zu überfallen. Die technische Machbarkeit gab damals scheinbar (!) den Ausschlag, ob also die Konstruktion der Instrumente die mit dem höheren Kammerton verbundenen höheren Kräfte überhaupt aushalten würden, als man sich beim Kammerton für 440 Hertz als eine Empfehlung entschied. In der Empfehlung steckt schon der Hinweis, dass man sich nicht so ganz sicher war, und daher den Ausführenden einen Entscheidungsspielraum anbot. Die Empfehlung und der damit verbundene Entscheidungsspielraum wurde aber passend zu einer Zeit, als Disziplin, Befehlen und Gehorchen das Denken und Handeln bestimmten, als eine DIN-Norm missverstanden. Durch die nachfolgend massenhafte Produktion der in der Tonhöhe nicht veränderbaren Instrumente auf 440 Hertz, verlor man jeglichen Spielraum. Das ist ein gutes Beispiel für die negativen Folgen der Industrialisierung, die in einem hohen Maß zu Lasten der Menschlichkeit geht. Der Industrialisierung der Musik ist genau genommen eine Katastrophe wie das bereits erschienene Buch Das Geschäft mit der Musik und das in Kürze erscheinende Buch Vom Imperiengeschäft des gleichen Autors, Berthold Seliger, in einer großartigen Klarheit aufzeigen.

Weiter oben habe ich geschrieben, dass … der Mensch und die Wirkung von Musik auf den Menschen kein offen verhandelbares Thema ist. Nur Transparenz und Offenheit verhindern den Missbrauch von Geheimwissen. Dass die Wahl des Kammertons einen Einfluss hat, war längst bekannt. Man hatte ja schon vor rund 300 Jahren mit sehr unterschiedlichen Tonhöhen in Frankreich (392 Hertz), Deutschland (415 Hertz) und Italien (446 Hertz) Erfahrung sammeln und Einsichten gewinnen können. Interessanterweise bevorzugen Militärkapellen einen deutlich höheren Kammerton. Warum? Da der höhere Kammerton anspannt, und man eine höhere Anspannung braucht, wenn es darum geht, in Kriege zu ziehen! Das ist der sachliche Hintergrund, wenn man im Internet Aussagen lesen kann, dass die 440 Hertz der letzte Anschlag der Nazis auf die Menschheit gewesen seien. Tatsächlich besteht aktuell der Schatz der Musik darin, uns in einer immer hektischer werdenden Zeit mit einer geradezu irrsinnigen Entwicklungsdynamik, verbunden mit gravierenden politischen Umwälzungen zwischen Ost und West, und dramatischen Herausforderungen durch den Klimawandel uns eine Oase der Entspannung zu offenbaren. Das ist der Hintergrund, warum immer mehr Traummusik zu hören ist, also Musik, die zum Träumen einlädt. Doch wenn man in dem Komplex der Musik eine Stellschraube derart verändert, dass Entspannung erschwert oder unmöglich wird, dann ist das letztendlich ein Angriff auf die von breiten Bevölkerungsschichten überall auf der Welt für sich entdeckte Möglichkeit zur Selbsthilfe gegen den Hauptverursacher aller Zivilisationskrankheiten: Stress!

In diesen Kontext muss man auch die höhere Stimmung der Orchester einordnen. Herbert von Karajan ließ in seiner Zeit als Dirigent der Berliner Philharmoniker das Orchester mit der Begründung auf 445 Hertz stimmen, dass man dadurch die Streicher besser hört und das Orchester insgesamt einen brillanteren Klang bekommt. Und da Karajan als ein Genie galt, kopierten nachfolgend alle Nicht-Genies mit dem höheren Kammerton ein Element des Gesamtpakets, um damit auch in die Kategorie des Genies aufsteigen zu können. Profimusiker, die Geige spielen, berichten, dass sie in Pausen die Instrumente herunter stimmen müssen, da die Violinen sonst Schaden nehmen. Das bestätigen Geigenbauer.

Der Witz an der Geschichte mit Karajan, dem für Orchester höheren Kammerton und dem angeblich so entstehenden brillanteren Klang ist die Tatsache, dass ich bislang noch keinen Profimusiker oder Dirigenten getroffen habe, der meine Frage nach dem Warum hätte beantworten können! Sie bestehen auf der Norm des höheren Kammertons, ohne zu wissen, warum sie dieser Norm überhaupt folgen!

Alles andere als witzig ist die Tatsache, dass Herbert von Karajan ein erklärter Nazi war. Betrachten wir den höheren Kammerton im Zusammenhang mit seiner politischen Gesinnung, dann war der brillante Klang aus seiner Sicht lediglich ein für andere wohl klingendes Scheinargument. Die Argumentationstechnik ist zu vergleichen mit der aktuellen Debatte über den Datenschutz. Die IT-Giganten wie Google, Facebook, Amazon, etc. argumentieren, dass sie durch den Schutz unserer Privat- und Intimsphäre in den Möglichkeiten ihrer Entwicklung eingeschränkt würden. Doch wie die Wirtschaftswissenschaftlerin Shoshana Zuboff in ihrem 2018 erschienen großartigen Buch Das Zeitalter des Überwachungskapitalismus aufzeigt, werden im Geheimen gerade die Werkzeuge für die totale Überwachung der Gesellschaft und somit das Handwerkszeug für die nächste, möglicherweise weltumspannende Diktatur entwickelt!

Werner Thärichen studierte Musik (Schlagzeug, Flöte, Klavier, Komponieren und Dirigieren) und er war später Dozent für Orchesterleitung. Als Karajan bei den Berliner Philharmonikern war, spielte er die 1. Solopauke und er war zeitweise im Orchestervorstand. 1991 schrieb er zwei kleine Bücher. In dem Buch Immer wieder Babylon oder Musik als Sprache der Seele gibt es ein Kapitel über den Kammerton. Darin bemerkt er unter anderem, dass Musiker ganz selbstverständlich der Ansicht waren, dass die Höhe der Stimmung sehr wohl mit der Stimmung des Musikers in Verbindung steht. Ferner beklagt Thärichen, dass unser Kammerton längst nicht mehr zarten Stimmungen der Menschlichkeit entspricht, sondern den oberflächlichen, da außenorientierten Trend zu immer höherer Leistung und Ansehen spiegelt. In Verbindung mit dem Neubau der Konzerträume der Berliner Philharmonie wurde der höhere Kammerton intensiv diskutiert. Man versuchte die den Höhenrausch ursächlich zu analysieren. Dabei wurde den Beteiligten klar, dass Stimmung (und gemeint ist hier die Tonhöhe, Anmerkung des Verfassers) nicht nur eine technisch meßbare, bestimmte Anzahl von Schwingungen beschreibt, sondern auch eine innere Stimmungslage, die etwas mit Gefühl zu tun hat... Heute wissen wir dank der Einsichten der besten Hirnforscher weitaus mehr über Gefühle und ihre Bedeutung für uns Menschen. Daher ist es quasi überlebenswichtig, wenn wir die Zusammenhänge verstehen wollen. Denn wie schon erwähnt, es geht um das Erhalten und Bewahren, ja im besten Fall um den Ausbau des Schatzes, den uns die Musik offenbart, Entspannung zu finden, und somit eine ganz wesentliche Möglichkeit zur Selbsthilfe zu behalten, sowie Kreativität regelrecht aufblühen zu lassen, die uns die notwendigen Impulse für eine gesunde und menschliche Zukunft liefern kann.

Zurück zu unserem Klavier der Marke Fuchs-Möhr: Mein Kunde hatte bereits von den 432 Hertz gehört. Auf meinen Vorschlag einer für das Klavier schonenden Kompromisslösung stimmte er daher gerne und überaus interessiert zu.

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Bitte beachten Sie, dass sämtliche Hörbeispiele der Klavierstimmerei Praeludio durch das Copyright geschützt sind.

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    • Type: Live
    • 93 bpm
    • Key: Em
    • © All rights reserved
    • Zell am Main, Deutschland
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