Es geschieht relativ häufig, dass ich auf Klaviere und Flügel treffe, die im Diskant in der Tonhöhe abfallen. Das ist ein klassisches Muster der Verstimmung, das mir noch bestens aus der Zeit bekannt ist, als ich ausschließlich nach Gehör gestimmt habe. Denn als ich Cembalo- und Klavierbau lernte, gab es noch keine elektronischen Hilfen in Form von Stimmgeräten und erst Recht noch keine aufs Klavier spezialisierten Geräte. Also war ich traditonell mit der Stimmgabel und einem kleinen Set von Stimmwerkzeugen bestehend aus einem Stimmhammer und zwei unterschiedlichen Keilen zum Abklemmen der Saiten unterwegs. Wenn ich damals nach dem Stimmen das Ergebnis überprüfte, indem ich alle Lagen durchspielte, war ich fast regelmäßig damit konfrontiert, dass der Diskant in der Tonhöhe abfallend war. Auf der Suche nach meinem Fehler überprüfte ich alle Oktaven – und konnte keinen Fehler finden. Das ist eine schlechte Situation: Man scheint zwar unschuldig zu sein, da man nach bestem Wissen und Gewissen gearbeitet und sich selbst geprüft hat. Aber das Ergebnis erzählt eine andere Geschichte.

Erst als ich fast 20 Jahre später mich für 10 Jahre in ein Klavierlager zurückzog, das unter anderem das Hauptlager von Yamaha für ganz Europa war, lernte ich die Technik des Vorstimmens kennen. Damit im Zusammenhang konnte ich auch mit einem Stimmgerät Erfahrung sammeln. Da ich nicht wusste, wie gut das Stimmgerät ist, überprüfte ich die Ergebnisse des Stimmens mit Stimmgerät immer nach Gehör, denn das hatte ich gelernt und auch lange genug geübt. Dabei entdeckte ich, dass diese Kombination eine Vielzahl an bislang unbekannten Vorteilen bringen würde. Daher baute ich das System zu meiner Hybrid-Stimmtechnik primaTEK aus. Dazu hatte ich mit 10 Jahren ausreichend Zeit und auch ausreichend Material, vorzugsweise von immer den gleichen Firmen mit gleichen Modellen, so dass man daran auch Routinen entwickeln konnte.

Ein ganz besonderer Mehrwert ist die Analyse mit dem Frequenzmessgerät, was ja ein Stimmgerät zuerst einmal ist. Dabei kann man hörbare Abweichungen auch im Detail sichtbar machen. Das entsprichht bis heute meiner Vorgehensweise:

Zuerst spiele ich das Instrument zur Probe, um es kennenzulernen. Dabei höre ich schon bestimmte Abweichungen. Diese verifziere ich anschließend im zweiten Durchgang mit dem Stimmgerät. Aufgrund der Analyse stimme ich dann vor. Je nach Analyse umfasst die Vorstimmung das ganze Instrument oder nur Teile davon. Entsprechend gestaltet sich am Ende der Preis. Der Aufpreis beträgt schon seit 15 Jahren moderate 25.- Euro. Bei Teilvorstimmungen reduziere ich den Anteil entsprechend.

So war das auch nach dem Stimmen eines Kawai-Superklaviers, nämlich eines Hybridpianos mit Silentmechanik sowie mit Moderator, also genau genommen allen auf dem Markt verfügbaren Techniken, um leiser oder ganz leise spielen zu können. Das Modell heißt K-200 ATX2. An die Stimmung anschließend erläuterte ich dem Kunden den Preis: 90.- Euro für die Stimmung + 15.- für das Vorstimmen des Diskants. Warum ich den Diskant vorgestimmt hatte? Weil er hörbar in der Tonhöhe im Vergleich zu Bass und Mittellage abfallend verstimmt war. Das kann ich dem Kunden auch mittels vorher eingespielten Hörbeispiel demonstrieren. Wir hörten uns das Hörbeispiel an. Aber mir fiel gar keine abfallende Linie auf. Das äußerte ich dann auch so dem Kunden gegenüber und verzichtete daher selbstverständlich auf den Preis fürs Vorstimmen des Diskants. Was war hier los? Hatte mich mein Gehör getäuscht?

Wieder zu Hause angekommen speicherte ich die Dateien. Dabei hörte ich gleich mal rein – und jetzt hörte ich sie wieder, die abfallende Linie im Diskant. Was war passiert? Scheinbar war ich beim Öffnen des iPads, mit dem ich die Aufzeichnungen durchführe, in die Datei eines vorhergehenden Hörbeispiels bei einem anderen Kunden gelangt und wir hatten uns diese Aufnahme angehört. Da mir dieser technische Fehler zum ersten Mal passiert ist, konnte ich ihn spontan nicht finden und abstellen. Daher reiche ich nun das Hörbeispiel nach. Es besteht in dieser Aufnahme aus 3 Teilen:

Im ersten Teil spiele ich alle Lagen durch. Dabei fällt schon das Abfallen der Tonhöhe beim letzten Ton auf. Bei manchen Tönen mehr, bei anderen weniger.

Im zweiten Teil spiele ein Stück Musik, meine Kurzversion des C-Dur Praeludiums von Johann Sebastian Bach aus dem Wohltemperierten Klavier.

Danach spiele ich das gleiche Stück noch einmal, doch trete ich ich dabei ständig auf das linke Leisepedal, ein Trick, den häufig Klavierspieler verwenden, damit ihr Piano nicht so grell und laut klingt, um zu prüfen, ob der Einsatz dieses Pedals etwas bringt, wenn man leise spielen will. Und gerade hier hört man am Ende ganz deutlich, wie die Tonhöhe im obersten Diskant abfällt, die Stimmung somit einen traurigen Charakter bekommt. Diese letzte Version nahm ich auf, da ich vorher mit der Ehefrau des Klavierspielers sprach, und sie meine Frage nach Besonderheiten dahingehend beantwortete, dass es ihrem Mann nicht gelingen würde, auf diesem Instrument leiser zu spielen.

Um den Unterschied noch weiter zu verdeutlichen, hilft der Vergleich zwischen der Verstimmung auf dieser Seite und der Endstimmung, also der Feinstimmung, die ich nach dem Vorstimmen des Diskants erstellt habe.

Ist auch Ihr Klavier oder Flügel verstimmt? Dann finden Sie hier die Leistungen und Festpreise der überregionalen Klavierstimmerei Praeludio für den Landkreis Coburg.

Bitte beachten Sie, dass sämtliche Hörbeispiele der Klavierstimmerei Praeludio durch das Copyright geschützt sind.

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    • Type: Original
    • 94 bpm
    • Key: C
    • © All rights reserved
    • Meeder, Deutschland
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